Purkersdorf GESTERN & HEUTE – Teil 1

Logo von Purkersdorf, Vergangenheit und Gegenwart

1850 bis 1920

Mit der aktuellen Episode von HALLO PURKERSDORF erweitern wir unseren Fokus und wollen mehr über die Geschichte von Purkersdorf erfahren. Zu diesem Zweck starten wir eine mehrteilige Serie mit dem Titel „Purkersdorf gestern und heute“. Es freut uns sehr, dass wir den Historiker und Purkersdorf-Geschichtsexperten Dr. Christian Matzka für dieses Projekt gewinnen konnten.

Wir beginnen nun im ersten Teil so um das Jahr 1850 und reisen bis ins Jahr 1920. Genießt diese Zeitreise, bei der ihr viele neue Informationen über Purkersdorf und Umgebung erfahren könnt.

1849: Purkersdorf wird zu eigenständiger Gemeinde

Mit dem für das gesamte Kaisertum gültigen Gemeindegesetz aus dem Jahr 1849 entstehen im gesamten Reich Gemeinden als Nachfolge der alten Dörfer und Bezirkshauptmannschaften als Nachfolge der Grundherrschaften. Im Zuge dessen wird Purkersdorf als Teil des Bezirkes Hietzing zu einer eigenständigen Gemeinde und steht fortan unter Selbstverwaltung.

Als Gemeinde bekommt Purkersdorf zu dieser Zeit auch seinen ersten Bürgermeister Carl Hießberger, der zugleich der letzte Dorfrichter war – eine personelle Kontinuität vom alten in das neue moderne System. Nachdem Kaiser Franz Josef auch nach 1849 autorität regiert, wird der Bürgermeister vorerst nicht demokratisch gewählt. Erst mit den späteren Reformen entsteht ein von den ansässigen Menschen gewählter Gemeinderat.

Wahlrecht

Ein allgemeines Wahlrecht für alle auf Gemeindeebene gibt es in Niederösterreich mit der Provisorischen Verfassung aus dem Jahr 1918 erst ab 1919. Davor existiert auf Gemeindeebene ein Kurien- und Zensuswahlrecht. Das heißt, die Gesellschaft wurde anhand von Einkommen bzw. Steuerleistung und gesellschaftlicher Position in drei unterschiedliche Gruppen, sogenannte „Kurien“, eingeteilt.

Ein Volksschuldirektor war etwa automatisch in der ersten Wahlkurie und ein Volksschullehrer in der zweiten – unabhängig von irgendwelchen sonstigen Einkommen. Die dritte Wahlkurie umfasste Menschen, die noch genug Steuern zahlten, um wählen zu dürfen. Wer keine Steuer zahlte, war nicht wahlberechtigt. Neben natürlichen Personen waren auch Institutionen als juristische Gesellschaften wahlberechtigt, zum Beispiel die Forstverwaltung oder das Gericht.

Die Stimmen der einzelnen Kurien zählen unterschiedlich stark. Die reichsten und die wichtigsten Personen in der Gegend hatten die meisten Mandate im Gemeinderat, die nächstwichtigen die zweitmeisten und die dritte Kurie die wenigsten Mandate.

1911 wird niederösterreichweit eine vierte Wahlkurie eingeführt. Ab diesem Zeitpunkt dürfen alle Männer über 24 unabhängig vom Einkommen wählen. Im Purkersdorfer Gemeinderat erhält diese vierte Kurie drei Sitze.

Bevölkerungsentwicklung

Mit der neuen Gemeindestruktur verändert sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch die Purkersdorfer Bevölkerung. Aufgrund der Entwicklungen der Hoch- und Spätgründerzeit setzt speziell durch den bzw. nach dem Eisenbahnbau eine massive Zuwanderung ein. So waren zu dieser Zeit allein 4.000 Arbeiter, die vom Semmering hierher verlegt wurden, in der Gegend untergebracht.

Die Bevölkerung verändert sich weg von einer ehemals bäuerlichen Bevölkerung mit Waldarbeitern für das Kaiserliche Waldamt und einigen Gewerbetreibenden, Händlern und Wirten im Zentrum. Dafür entsteht eine neue Gesellschaft mit vielen Angehörigen der Arbeiterschaft sowie sich aufgrund der Entwicklungen ansiedelnden Beamten oder höheren Angestellten.

In der gesamten Monarchie differenziert sich die Gesellschaft, was sich schließlich durch die Parteien der Sozialdemokraten, Deutschnationalen und Christlichsozialen manifestiert. Es gibt Menschen, die der Kirche nahestehen, solche, die eher der Arbeitervertretung nahestehen oder solche, die den Deutschnationalen nahestehen und sehr stark den Anschluss an Deutschland fordern.

Zwischen diesen unterschiedlichen Gesellschaftsschichten gibt es wenige Berührungspunkte und die einzelnen Gruppen grenzen sich stark voneinander ab.

„Wenn etwa jemand eine Villa besessen hat und dem Bürgertum, dem Oberschichtenbereich, zugehörig war, hat dieser wenig Kontakt mit den Leuten gehabt, außer sie waren Dienstboten.“ (Dr. Christian Matzka)

Es war mehr ein Nebeneinander und weniger ein Miteinander. Jede Gruppe hatte eigene Gasthäuser, Geschäfte und Vereine. So gab es etwa bei den Vereinen ganz deutliche politische Differenzierungen: einen deutschnationalen Radfahrerklub, den sozialdemokratischen ARBÖ und den Klub christlicher Radfahrer. Je nachdem, wo man dazugehört hat, ist man hingegangen.

Eisenbahnbau der Westbahn

Historic black and white photograph of a train station featuring a parked train, surrounded by trees and mountains.

Eine der einschneidensten Veränderungen für Purkersdorf war der Eisenbahnbau der Westbahn in den 1850er Jahren. Zunächst wird lange diskutiert, wo die Strecke denn überhaupt gebaut werden soll. Schon damals existierten Pläne durchs Tullnerfeld mit einem Tunnel nach Mauerbach sowie zum Südbahnhof. Aufgrund von militärischen Überlegungen fällt die Entscheidung schließlich auf die Trasse durch den Wienerwald.

„Zum damaligen Zeitpunkt hatten Kanonen eine

geringe Einsatzschussweite und der Wienerwald bot Schutz. Wenn man die Kanonen jenseits der Donau aufstellte, konnte man die Züge hier im Wienerwald nicht erreichen.

Das hat sich einmal ausgewirkt im Jahr 1866, als man versucht hat, Truppen vom südlichen zum

nördlichen Kriegschauplatz zu verschieben. Und da hat Purkersdorf eine gewisse Rolle

gespielt, die Trasse hier. Da haben die Preußen es nicht erreicht.“ (Dr. Christian Matzka)

Durch den Eisenbahnbau wird Purkersdorf für lange Zeit zerschnitten. Es ist quasi der einzige Ort an der Weststrecke, in dem die Eisenbahn über den Hauptplatz fährt. Die Gleise und ein Schranken teilen den Oberen fortan vom Unteren Hauptplatz. Erst 1928 wird mit dem sogenannten „Ratzenloch“ eine erste Unterführung geschaffen.

Zur Schaffung der Bahntrasse wird auch der Wienfluss verlegt und die Wienflussarme im Zentrum zugeschüttet. Der einstige Flussverlauf wird zu einem Kanal begradigt. All das ist ein bauliches, massives Erlebnis für den Ort, für die Bevölkerung und dann auch die Bevölkerungsveränderung, die damit einhergeht.

Gleichzeitig hat der Bau der Westbahn natürlich auch positive Seiten, indem der Tourismus einen totalen Aufschwung bringt. Die Leute setzen sich in den Zug, fahren in den Wienerwald und finden das ganz spannend. Es gibt etwa Reiseführer aus dem Jahr 1859, in denen die Fahrt von Wien nach Purkersdorf ganz abenteuerlich und als einzigartiges Erlebnis beschrieben wird.

Kurz von 1910 wird die heutige Station Unter Purkerdorf sogar zur Endstation der Wiener Stadtbahn. Zu dieser Zeit wird die Eisenbahn von Unterpurkersdorf nach Hütteldorf viergleisig ausgebaut. Dieser viergleisige Ausbau, den wir heute noch kennen, liegt jetzt unten und oben und führt dazu, dass Züge von Unterpurkersdorf über die bestehende Stadtbahn einschwenken und von der Westbahn zum Karlsplatz, zum Praterstern oder nach Heiligenstadt fahren können.

Der Ausbau wird allerdings nicht von allen positiv gesehen. Einerseits regen sich die Leute über den Zeitverlust durch die längere Streckenführung, andererseits über die Geruchsbelästigung durch die mit Dampf betriebene Stadtbahn auf. Es gab massive Aufstände und auch Unterschriftenaktionen, dass der Zug wieder direkt zum Westbahnhof fahren soll.

Villenbau in Purkersdorf

Villa in der Rechenfeldstraße
Villa in der Rechenfeldstraße

Durch den Aufschwung mit dem Eisenbahnbau verändert sich ab 1860 das Purkersdorfer Ortsbild durch massive Neubauten und Villenbauten wie zum Beispiel in der Fürstenberggasse oder Pummergasse. Die Wintergasse und die Bahnhofstraße entstehen und auch in der Wiener Straße und in der Linzer Straße kommt es zum Bau großer Villen. In diesen Villen leben vermögende Menschen, die etwa dem Stadtverschönerungsverein oder der Kirche Geld spenden.

Dadurch entsteht ein Ort, in dem sich die Sommerfrische abspielt – so wie wir es vom Salzkammergut kennen. Pressbaum wurde auch „Bad Ischl des Wienerwaldes“ genannt. Es entsteht eine Sommergesellschaft, die es sich leistet, die Straßen spritzen zu lassen, damit es nicht staubig ist. Es kommt zur Errichtung wichtiger Infrastruktur wie Parkbänken, Wanderwegen und Aussichtswarten. Diese Bevölkerung zeigt sich auch gerne – mit Sommerfesten, Kirtagen oder Konzerten.

Die Sommerfrischler lassen sich auch einen eigenen Tennisplatz am Standort des heutigen Park-and-Ride-Parkplatzes neben der Kellerwiese bauen und gründen einen eigenen Tennisclub mit eigenen Turnieren. Der damalige Bürgermeister Dr. Hild wird zum Obmann des Tennisclubs.

Neben den vielen Neubauten bestehen auch ein paar alte Gebäude, zum Beispiel die Dukhütten, die Holzhackerhäuser, wie in der Kaiser-Josef-Straße. Diese waren in der Zeit ärmlich mit Lehmboden und relativ schlechter Bausubstanz. Es gab also auch hier z. B. in der Fürstenberggasse ein Nebeneinander von Villen und Lehmhütten.

Stadtverschönerungsverein

Als ältester Purkersdorfer Verein wird 1871 der Stadtverschönerungsverein, der auf ein Verschönerungskomitee aus dem Jahr 1861 zurückgeht, gegründet. Dieser organisiert die Pflege des Ortes und die Aufbereitung für die Sommerfrischler und Touristen – unter anderem durch Spendensammlungen bei den Sommerfrischlern.

„Wie wir heute das mit der Kurtaxe kennen, wenn ich wo auf Urlaub bin, hat man damals einfach freiwillig Geld kassiert und geschaut, dass man Geld sammelt, damit man das alles bauen und organisieren kann. Und diese reiche Gesellschaft des Sommers, die hat das Geld auch hergegeben.“ (Dr. Christian Matzka)

Wintersportort Purkersdorf

Wiental-Ski
Wiental-Ski

Purkersdorf und Umgebung spielen am Ende des 19. Jahrhunderts auch eine große Rolle im Wintersport. Die Leute kommen zum Skifahren in den Wienerwald, z.B. nach Rekawinkel, Pressbaum oder Purkersdorf. Es gibt etwa Skiführer, um mit den Skiern von Purkersdorf zum Troppberg oder von Pressbaum auf den Jochgrabenberg zu gehen, wodurch ein ganzes Schigebiet erschlossen wird. Purkersdorf und Pressbaum gelten zu der Zeit als Wintersportzentren – in einem Wintersportführer für Österreich wird Purkersdorf sogar nach dem Ötztal genannt.

Weiters war Rodeln als Volkssportart sehr beliebt. So war am Anninger eine Rodelbahn mit gebauten Kurven angelegt, auf der sogar Rodelmeisterschaften ausgetragen wurden. In Purkersdorf gab es eine Rodelbahn von der Hochram herunter, wo die Rodeln mit Pferden und Eseln wieder hinaufgebracht wurden.

Auch Skispringen war ein Volkssport. Es gab Schanzen in Pressbaum, Hadersdorf und Hütteldorf. In Purkersdorf bestand zwar keine bekannte Sprungschanze in dem Sinn, aber die Leute bauten sich einfach irgendwo selbst eine Schanze und hüpften darüber.

In den 1950er und 1960er Jahren gibt es schließlich sogar eine eigene Skimarke aus Purkersdorf namens „Wientalski“. Bis dahin produzierten viele Tischer und Wagenmeister ihre eigenen Skier, wo auch viele große Skifirmen wie Atomic ihren Ursprung haben.

Forstverwaltung in Purkersdorf

Modern wooden building with large windows, featuring a sign for the Österreichische Bundesforste and surrounded by greenery and flags.

Die Forstverwaltung in Purkersdorf hat eine lange Kontinuität. Bereits 1333 kaufen die Habsburger die Herrschaft Purkersdorf, sodass sich das Schloss Purkersdorf ab dieser Zeit im habsburgischen bzw. landesfürstlichen Besitz befindet. In der Zeit von 1850 bis 1920 ist im Purkersdorfer Schloss die Forstverwaltung Purkersdorf einquartiert.

Die kaiserliche Waldverwaltung für den gesamten Wienerwald befindet sich bis 1788 in Purkersdorf, als sie in die neu gegründete Hofkammer nach Wien übersiedelt. Die Forstverwaltung bleibt bis 2002, als die Bundesforstgeneraldirektion in den Ort zieht, in Purkersdorf. Heute in Purkersdorf Sitz des Headquarters der österreichischen Bundesforste.

Strom, Kino und Polizei

In Purkersdorf stand eines der ersten Elektrizitätswerke, zunächst als privates Dampfkraftwerk in der Holzstöckelfabrik Schwarzhuber, am heutigen Hofer-Standort. Später baut die Gemeinde in Windeseile ein eigenes Kraftwerk und produziert direkt im Ort ihren eigenen Strom. Purkersdorf war dadurch um 1905 auch die erste Gemeinde in der ganzen Gegend mit einer öffentlichen Straßenbeleuchtung und mit elektrischem Strom.

Das Hotel Seenfelder am heutigen Standort der Bühne Purkersdorf, wirbt schon 1904 mit einem Prospekt, dass sie in jedem Zimmer elektrisches Licht haben. Andere Standorte wie die Hochrahmalpe werden erst in den 1970er Jahren an das Stromnetz angeschlossen.

Die ersten nachgewiesenen Filmvorführungen fanden 1911 in der heutigen Bühne Purkersdorf, im damaligen Prachtsaal des Hotels Seenfelder statt. Das Hotel veranstaltet dort Filmvorführungen für die Sommerfrischler und die Hotelgäste. Das Kino besteht bis 1969 an dem Standort.

Purkersdorf hat zu dieser Zeit auch eine eigene Gemeindepolizei – der Sheriffstern ist im Purkersdorfer Stadtmuseum zu bewundern. Die Polizei besteht aus fünf Gemeindepolizisten mit eigenem Wachkörper. Grundsätzlich war die nach der Revolution 1848 ins Leben gerufene Gendarmerie der Wachkörper, doch hatte jede Gemeinde die Möglichkeit, eigene Wachkörper zu führen.

Schulen in Purkersdorf

Die Gemeinden waren nach dem Reichsvolksschulgesetz von 1869, das die Schulpflicht von vier auf acht Jahre erhöhte, angehalten, VolksschuleN zu bauen. Es war gesetzliche Vorgabe, im Umkreis von vier Kilometer Fußentfernung für jedes Kind eine Volksschule zu errichten – darum die vielen kleinen Schulen wie in Wolfsgraben, in Rekawinkel oder in Tullnerbach.

In Purkersdorf wurde somit auch eine Schule gebaut – 1875 wurde das heutige Rathaus als Volksschule eröffnet. 1898 folgt die Errichtung einer Bürgerschule im Gebäude der heutigen Mittelschule, in die auch die Volksschule übersiedelt. Darüber hinaus besteht zu der Zeit eine privat geführte Handelsschule.

Schwimmbäder und eigene Sparkasse

Als erstes Schwimmbad in Purkersdorf entsteht das heutige Wiederwaldbad, früher Deutschwaldbad, das durch den Mühlbach, der beim heutigen Gasthof Staubmann Richtung Pragermühle abgezweigt ist, gespeist wurde. Ein zweites Bad besteht bis zum Ersten Weltkrieg in der Bad Säckingerstraße. Dieses wird durch den Gablitzbach gespeist und wird lange Zeit von Bürgermeister Karl Kurz betrieben.

Als Zeichen des Wohlstandes wird in Purkersdorf 1897 eine eigene Gemeindesparkasse errichtet. Die erste Bankfiliale befand sich am Hauptplatz Nummer 14, wo heute ein Optiker stationiert ist.

Persönlichkeiten aus Purkersdorf

Aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg gibt es einige bekannte Persönlichkeiten, die mit Purkersdorf in Verbindung gebracht werden können. Karl Landsteiner, der Entdecker der Blutgruppen und der Resusfaktoren, wohnt bis 1920 in Purkersdorf und besitzt hier zwei Häuser, bevor er Österreich aufgrund seiner jüdischen Herkunft verlassen muss.

Der Nationalökonom Gottffied von Haberler wird 1900 in Purkersdorf geboren, lehrt später an der London School of Economics und in Harvard und stirbt 1995 in Washington.

Viele kommen auch nur als Sommerfrischler nach Purkersdorf, wie zum Beispiel Gustav Klimt oder Gustav Mahler, der sehr viel Zeit im Sanatorium Westend verbringt.

Sanatorium Westend

Hoffmannbau im Sanatorium Purkersdorf von der Wienzeile aus gesehen
Hoffmannbau im Sanatorium Purkersdorf

Das Sanatorium Westend bzw. der Hoffmannbau ensteht um 1880 durch einen gewissen Dr. Löw und ist eine riesige Kaltwasserheilalstalt mit einer Größe von 13 Hektar und vielen Pavillons. 1903/1904 kauft es Victor Zuckerkandel, der Josef Hoffmann beauftragt, das noch heute berühmte berühmte Gebäude zu errichten.

Für eine kurze Zeit wird das Sanatorium zu einem Treffpunkt von Menschen, die Erholung suchen. Es war eine bestimmte avantgardistische Klientel in der Zeit des Jugendstils und der Sezession, die dort verkehrt, darunter Alma und Gustav Mahler, Gustav Klimt und viele andere.

Erster Weltkrieg

Wie viele andere Teile in Österreich ergreift die Kriegsbegeisterung ab 1914 auch Purkersdorf. Es gibt viele freiwillige Meldungen, viele Männer werden auch eingezogen .

Der Ort verliert seine Funktion als Sommerfrische, die Aussichtswarten werden aus Spionagegründen gesperrt. In Purkersdorf entstehen eigene Kriegslazarette, woran heute noch ein eigenes Grab für die Kriegstoten am Purkersdorfer Friedhof erinnert.

Ab 1917 wird die Versorgungslage so wie auch in Wien zu einem Problem und es werden Lebensmittelkarten verteilt. Hinzu kommt, dass die Gemeinden von der Landesregierung angehalten werden, Kriegsanleihen zu zeichnen, wofür die Gemeinde Kredite aufnehmen muss. Diese Kriegsanleihen sind natürlich dann 1918 nichts mehr wert und Purkersdorf bleibt wie viele andere Gemeinden auf den Schulden sitzen.

Der Erste Weltkrieg ist also ein massiver Einschnitt, der dann am Ende des Krieges um 1918/19 wieder viele Menschen in den Wienerwald bringt – diesmal allerdings nicht als Touristen, sondern zum Holz sammeln. An die „Spaßgesellschaft“ vor 1914 kann die Gemeinde auch in den 1920er Jahren nicht mehr anknüpfen.

Spanische Grippe

Nach dem Ersten Weltkrieg ist Purkersdorf wie viele andere Gebiete in Österreich von der Spanischen Grippe ergriffen. Die Schule wurden gesperrt und es gab eine Art Lockdown. Über Todeszahlen ist allerdings nichts Näheres bekannt.

„Ich finde es auch interessant, dass in meiner eigenen Familie, die in Purkersdorf in der Zeit gelebt hat, z. B. meine Großeltern und Großtante, nie von der Spanischen Grippe erzählt haben. Das hat mich dann später total fasziniert, weil, wenn man sich mit Geschichte beschäftigt, taucht die Spanische Grippe irgendwann einmal auf. Aber in der Erzählung hier hat das keine Rolle gespielt.“ (Dr. Christian Matzka)

In der Purkersdorfer Chronik kommt die Spanische Grippe zwar vor, aber nicht in jener Dimension, in der sie heute dargestellt wird – entweder weil sie hier nicht so extrem war oder nicht als solches erkannt wurde.

Purkersdorf Marsch

Zu der Zeit, als die Spaßgesellschaft zur Sommerfrische in Purkersdorf verkehrte spielte auch Musik eine wichtige Rolle. So verbrachten etwa der Komponist Emmerich Kálmán und Ernst Wolf ihre Sommer nachweislich in Purkersdorf. Vom Josef Schrammel existiert sogar ein eigener Purkersdorf Marsch, den es hier zu hören gibt.

Dieser sowie viele andere Lieder wurden früher live in den Gasthäusern in der Umgebung gespielt. Auch die Gedichte von Daniel Kiesling, Ortschronist und Vorfahre von Niki Neunteufel, wurden vertont – alles Dinge, die heute nicht mehr bekannt sind. Doch auchheute gibt es eine Ensprechung der damaligen Tradition, wenn etwa David Schrottenbaum, seine Gitarre nimmt und selbst Lieder komponiert.

Podcast

Dr. Christian Matzka

Erstes Elektrizitätswerk in Purkersdorf
Elektrizitätswerk

Homepage:
https://hallo-purkersdorf.blog/2022/02/01/prof-dr-christian-matzka/
https://www.purkersdorf.at/Unser_Purkersdorf/Kultur_und_Freizeit/Stadtmuseum
https://www.purkersdorf-online.at/museum/index.php

Email:
stadtmuseum@purkersdorf.at
cmatzka31@gmail.com


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