Gnadenhof Tierpark Wolfsgraben

In der neuen Folge des Podcasts „Hallo Purkersdorf“ geht es im Gespräch mit Gabriele Wodak um den Gnadenhof Tierpark Wolfsgraben, den sie aus einem stark vernachlässigten Gelände übernommen und zu einem Zufluchtsort für gerettete Tiere aufgebaut hat. Frau Wodak schildert die Rettung und Pflege kranker und vernachlässigter Tiere sowie die emotionale Belastung, wenn einzelne Tiere trotz aller Bemühungen nicht zu retten sind.
Sie spricht auch über ihren persönlichen Weg, ihre enge Bindung zu den Tieren und die besondere Geschichte ihrer Stute Laura. Außerdem erklärt Frau Wodak die Grundsätze des Gnadenhofs mit viel Freiheit, Beschäftigung und medizinischer Versorgung, die Herkunft vieler abgegebener Tiere sowie die Finanzierung über Spenden, Mitglieder, Tierpaten und Ehrenamtliche.
Die Geschichte des Gnadenhofs
Der Gnadenhof Tierpark Wolfsgraben zählt heutzutage beinahe 80 Tiere. Die Leiterin und Chefin Gabriele Wodak entdeckte ihn vor Jahren zufällig und bezeichnet den Fund als „einen der größten Tierschutzskandale, die dieses Land jemals erlebt hat“:
„Die Tiere und das Gelände waren hier wirklich in einem furchtbaren Zustand. Es gab keinen Strom und keine Wasserversorgung und wir haben hier teilweise tote Tiere, sehr schwer kranke Tiere und Tiere in viel zu kleinen Käfigen vorgefunden, also die Haltung war furchtbar.“ (Gabriele Wodak)
Zusammen mit Helmut Pechlaner, dem ehemaligen Direktor des Tiergartens Schönbrunn, hat Gabriele Wodak den Tierbestand übernommen und die Tiere, die zu retten waren, gesund gepflegt und in andere Zoos vermittelt. Gemeinsam mit der Niederösterreichischen Landesregierung wurde nach einer Lösung für das Gelände, das extrem verunreinigt war und erst einmal hergerichtet werden musste, gesucht. Letztendlich wurde es von Frau Wodak selbst übernommen.

Gabriele Wodak war schon immer sehr tierliebend und zum Glück haben ihr ihre Eltern bereits in ihrer Kindheit Tiere erlaubt. Auch später war sie neben ihrer Firma immer im Tierschutz tätig. Mit 50 Jahren hat sie dann ihre Firma verkauft und sich nur mehr diesem Projekt gewidmet.
Zunächst war geplant gewesen, die Übernahme gemeinsam mit dem Tiergarten Schönbrunn zu machen, da letzterer am Tiroler Hof keine Weideflächen hatte und das Geläde somit geteilt werden hätte können. Gabriele Wodak wäre mit ihrem privaten Pferd und ihrem Esel hergezogen. Die anderen Flächen wären für den Tiergarten Schönbrunn als Weideflächen zur Verfügung gestanden.
Nachdem die Restauration in Wolfsgraben noch nicht ganz fertig war, als der Tiergarten Schönbrunn andere Schlösser mit 650 Hektar Weidefläche dazubekommen hat, war der Bedarf nicht mehr gegeben. Somit hat Frau Wodak dann das ganze Gelände übernommen und einen Gnadenhof, das heißt, einen Tierpark mit ausschließlich geretteten Tieren, daraus gemacht.
Die Beziehung zu den Tieren und das Schicksal von Stute Laura
Zu ihren Tieren baut Wodak immer eine sehr persönliche Beziehung auf. Somit ist es für sie auch immer besonders schlimm, wenn sie ein Tier verliert oder es aufgeben und erlösen muss. Sie haben bereits sehr viele schwache und kranke Jungtiere bekommen und bemühen sich immer sehr, diese durchzubekommen.
„Da hängt man wochenlang Tag und Nacht dran, schläft nicht und versucht, dieses Tier zu retten. Und in wenigen Fällen ist es nicht gelungen – natürlich ist das nicht schön.“ (Gabriele Wodak)
Am meisten geprägt hat Wodak die Geschichte ihrer Stute Laura. Diese war eine Frühgeburt und sollte eigentlich als Präparat für eine Hochschule dienen. Die Tierärzte hatten sie bereits aufgegeben, doch Wodak verlor die Hoffnung nicht.
„Es war wirklich wahnsinnig aufwendig, aber sie hat so einen Lebenswillen gehabt. Das sieht man immer wieder. Manche Tiere, die wollen einfach leben und andere legen sich zum Sterben hin. Das ist ein Unterschied. Sie hat die schlechtesten Voraussetzungen gehabt.“ (Gabriele Wodak)
Die Lunge war noch nicht ganz offen; sie hatte noch nicht einmal Horn auf den Hufen; das Fell war noch nicht ganz entwickelt. Normalerweise ist es unmöglich, so einen Fohlen durchzubringen. Doch Wodak hat gekämpft und mit Hilfe ihrer Tierärzte ist es tatsächlich gelungen und aus dem Fohlen ist eine wunderschöne Stute geworden. Mit Ferdinand hat Laura sogar einmal Nachwuchs zur Welt gebracht.
„Also diese Stute war wie meine Tochter. Das war wirklich so eine besondere Bindung. Mit mir hat sie gelernt, wie man über die Wiese läuft. Alles haben wir gemeinsam gemacht, also das war schon besonders berührend.“ (Gabriele Wodak)
Ein Besuch im Gnadenhof
Der Tierpark Gnadenhof Wolfsgraben hat keine eigentlichen Öffnungszeiten. Dafür ist alles über die Homepage buchbar. Dazu zählen Führungen und diverse Aktivitäten mit den Tieren, etwa Eselspaziergänge, Eselworkshops oder Waschbärenworkshops. Sogar ein malender Esel ist im Gnadenhof untergebracht. Ziel der Workshops ist es, Mensch und Tier zusammenzubringen und eine Bewusstseinsbildung für den Tierschutz und für das zu erwirken, was Tiere brauchen.
Der Leitsatz des Gnadenhof lautet „Größtmögliche Freiheit für die Tiere, sinnvolle Beschäftigung und optimale medizinische Versorgung“. Wodak versucht, die Tiere so wenig wie nötig einzusperren. Die Pferde werden nicht in Boxen, sondern in einem offenen Stall gehalten. Auch die anderen Tiere haben großzügige Gehege. Obwohl die Tiere sehr zutraulich sind, werden sie nie zu etwas gezwungen. Die meisten kommen allerdings freiwillig und lassen sich auch gerne streicheln.
„Die größte Attraktion ist wahrscheinlich, dass unsere Tiere so zutraulich sind. In anderen Tiergärten gibt es weniger Interaktion mit den Tieren. Und wir haben einen ganz tollen Mitarbeiter, den Thomas, der macht eine tolle Führung und erzählt von jedem Tier die persönliche Lebensgeschichte und auch Anekdoten und das ist das, was den Leuten sehr gut gefällt und was wir auch wollen, dass das die Leute eben wirklich anspricht und dass sie eine Beziehung zu den Tieren bekommen.“ (Gabriele Wodak)
Mit den Tieren werden auch verschiedene Programme angeboten. Der Gnadenhof bekommt oft Besuch von Schulklassen und Kindergärten, auch Geburtstagspartys für Kinder können hier veranstaltet werden. Das bunte Programm ist auf der Homepage zu finden und zu buchen.
Die Herkunft der Tiere
Die Tiere kommen oft von Personen, deren Lebenssituation sich geändert hat oder die sich nicht länger eigenständig um die Tiere kümmern können. Leider beobachtet Gabriele Wodak auch immer öfter, dass das Tier zu einem Konsumartikel geworden ist. Auch die Corona-Krise hat zu einem Anstieg an unüberlegten Haustierkäufen geführt, die später wieder angegeben wurden.
„Es dient der Unterhaltung und wenn es nicht mehr lustig ist, dann brauchen wir es nicht mehr. Und dann wird es eben sehr oft abgegeben und sehr oft nehmen sich diese Leute dann wieder ein neues Tier. Und das ist wirklich verwerflich. Also das ist ganz schlimm.“ (Gabriele Wodak)
Menschen, die sich spontan ein Tier kaufen wollen, würde Wodak zunächst einmal raten, es zu lassen. Ein Kauf sollte gut überlegt und auch langfristig geplant sein. Auch finanziell sollte ein Polster vorhanden sein, da Tiere immer krank werden können, was hohe Tierarztkosten mit sich bringt. Ebenfalls sei gut zu prüfen, ob die räumlichen Gegebenheiten zu dem Tier passen.
In letzter Zeit bekommt der Gnadenhof Wolfsgraben besonders viele Anfragen für Pferde von Leuten, die sich die Einstellgebühr und Tierarztkosten nicht mehr leisten können. Das Tierparkgelände ist bereits wesentlich größer als ursprünglich geplant, aber eine Aufnahme von massenhaft weiteren Tieren sei nicht mehr möglich. In akuten Notfällen ist Wodak natürlich bemüht, eine Unterbringung zu ermöglichen.
Auch exotische Tiere werden im Gnadenhof aufgenommen, so etwa Weißbüschelaffen, ein Karkal, Stachelschweine und Waschbären. Diese stammen teilweise aus Beschlagnahmungen von Amtsärzten und wurden teilweise ausgesetzt und sind so nach Wolfsgraben gekommen.
Tierschutz in Österreich
Österreich habe laut Gabriele Wodak eines der besten und strengsten Tierschutzgesetze in Europa, was zu begrüßen sei. Zwar gäbe es auch Punkte, die nicht so sinnvoll seien, doch müssten diese erst einmal umgesetzt werden. Eine Hürde sei ebenfalls, dass das Ganze wahnsinnig schwierig zu kontrollieren sei – etwa das Haltungsverbot. Dieses könne umgangen werden, indem ein Tier einfach auf eine Verwandte oder Bekannte angemeldet wird. Wodak bezweifelt ebenso, dass ein vierstündiger Kurs eine Eignung als Hundehalterin oder Hundehalter garantieren könne.
Organisation als Verein
Der Gnadenhof Wolfsgraben ist als Verein organisiert und ist angewiesen auf Spenden, Mitgliedsbeiträge und Tierpaten sowie auf die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Als gemeinnütziger Verein können die Spenden, die für den Erhalt der Tiere sehr wichtig sind, auch von der Steuer abgesetzt werden.
Für die Zukunft wünscht sich Gabriele Wodak, noch mehr Sponsoren und auch Firmensponsoren zu finden. Außerdem wünscht sie sich, dass die Menschen mehr Bewusstsein für das bekommen, was die Tiere brauchen, wie wichtig die Tiere sind und das weniger über die „drübergefahren“ wird,
Kontakt & Links
Verein Gnadenhof Tierpark Wolfsgraben
Gregor Kirchnerstraße 48
2384 Breitenfurt
+43 (0)664 973 87 77
verein@tierpark-wolfsgraben.at
https://www.facebook.com/tierparkwolfsgraben
