Die mögliche Schließung des Notarztstützpunktes in Purkersdorf ist eines der Themen, das die Menschen in und um Purkersdorf in diesem Sommer ganz besonders beschäftigt – und das aus gutem Grund. Die schnelle und effiziente medizinische Notfallversorgung betrifft alle Bewohnerinnen und Bewohner der Region gleichermaßen, ihre Verschlechterung bekäme jede und jeder (un)mittelbar zu spüren. In der neuesten Podcast-Episode von Hallo Purkersdorf sind daher der Bürgermeister von Purkersdorf, Ing. Stefan Steinbichler, und der Bürgermeister von Gablitz, Ing. Michael Cech, zu Gast und berichten über ihren gemeinde- und parteiübergreifenden Einsatz für die Aufrechterhaltung des Notarztstützpunktes in Purkersdorf, dem Notarztstützpunkt Purkersdorf.
Die mögliche Schließung des Notarztstützpunktes in Purkersdorf
Gleich zu Beginn des Gesprächs stellen Ing. Stefan Steinbichler und Ing. Michael Cech klar, dass es bis zum heutigen Tag keine offizielle Mitteilung zu einer geplanten Schließung des Notarztstützpunktes in Purkersdorf gibt. Von der Möglichkeit dieser Schließung haben die beiden Bürgermeister zunächst überhaupt nur durch eine „offensichtlich unabsichtlich geleakte“ Liste in der Zeitung erfahren, was ihnen „schon etwas aufgestoßen“ habe. Erst nach der Veröffentlichung dieser Liste wurden Informationsveranstaltungen organisiert, um die Bürgermeister über die niederösterreichische Gesundheitsreform, „die ja grundsätzlich gut und wichtig ist“, zu informieren. Mittlerweile wird die Schließung des Notarztstützpunktes in Purkersdorf von allen involvierten Parteien und in sämtlichen Medien kolportiert, wodurch die Befürchtung, dass diese Änderung „leider schon relativ fix ist“, dementsprechend groß ist.

Offener Brief an die Niederösterreichische Landesregierung
Die Bürgermeister der Region „Wir 5 im Wienerwald“ (Michael Cech, Gablitz; Stefan Steinbichler, Purkersdorf; Stefan-Paul Porteder, Tullnerbach; Christian Lautner, Wolfsgraben; Peter Buchner, Mauerbach; Josef Rothensteiner, Pressbaum) haben nun quasi als „Hilfeschrei“ gemeinsam mit dem Roten Kreuz und dem Samariterbund einen offenen Brief an die Niederösterreichische Landeshauptfrau und die Niederösterreichische Landesregierung verfasst, in dem sie für die unbedingte Aufrechterhaltung der qualifizierten Notarztversorgung im Raum Purkersdorf plädieren. Diese ist eine staatliche Kernaufgabe und darf keinen budgetären Erwägungen untergeordnet werden.
Die Verfasser des Schreibens beziehen sich zunächst auf Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention, laut dem die Gesundheitsversorgung ein verfassungsrechtlich verankertes Grundrecht ist. Die betroffene Region (inkl. Zweiwohnsitze) umfasst 32.000 Bürgerinnen und Bürger, wovon rund 4.500 Personen im Schulalter und 1.000 in Pflegeheimen bzw. Wohneinheiten für Menschen mit besonderen Bedürfnissen untergebracht sind. Diese besonders vulnerablen Gruppen sind auf sofortige qualifizierte medizinische Versorgung angewiesen. Sämtliche möglichen Kompensationen für einen geschlossenen Notarztstützpunkt in Purkersdorf (Telenotarztsystem oder Ausbau der Flugrettung) wären unzureichend und darüber hinaus kostenintensiver und eine Zusatzbelastung für die Sanitäterinnen und Sanitäter.
Mögliche Neugestaltung der Notarztstützpunkte in Niederösterreich
Laut Medienberichten sollen von den 32 aktuell bestehenden Notarztstützpunkten in Niederösterreich 11 geschlossen werden – darunter jener in Purkersdorf. Die Gemeinden Gablitz und Mauerbach würden damit künftig vom Notarztstützpunkt in Tulln, die übrigen Gemeinden der Region von jenem in Neulengbach versorgt werden. Dadurch könnte alleine der Anfahrtsweg des Notarztes auf rund 30 Minuten ansteigen. Eine Aufstockung dieser weiterbestehenden Notarztstützpunkte in Tulln und Neulengbach sei allerdings nicht geplant, wovon schließlich alle 100.000 Bewohnerinnen und Bewohner dieser Regionen negativ betroffen wären.
Laut den Bürgermeistern wird sich bei der Auswahl der möglicherweise zu schließenden Notarztstützpunkte zwar immer auf „Expertengutachten“ berufen, doch gibt es gar kein solches Gutachten, das explizit sagt, der Stützpunkt in Purkersdorf sollte geschlossen werden. Sie gehen vielmehr davon aus, dass einfach eine durchschnittliche Zahl der zu versorgenden Bevölkerung ermittelt wurde – ohne geografische Herausforderungen, wie zum Beispiel den Riederberg, bei der Notarztversorgung zu berücksichtigen. Diese Faktoren sind nun Teil der vielen Gespräche, die die Bürgermeister der Region aktuell mit politischen Entscheidungsträgern führen.
Wertvolle Arbeit der Blaulichtorganisationen
Besonders enttäuscht äußern sich Ing. Stefan Steinbichler und Ing. Michael Cech darüber, dass die Blaulichtorganisationen in der Region von Landesseite nicht als Expertinnen und Experten in die Umgestaltung der Notarztversorgung miteingebunden wurden. Weder beim Roten Kreuz noch beim Samariterbund gab es Nachfragen zum Ist-Zustand des bestehenden Notarztstützpunktes in Purkersdorf. Das ist umso schmerzlicher, als die Blaulichtorganisationen in der Region immer stark engagiert und involviert waren – sogar der erste Notarztwagen sei von ihnen selbst finanziert worden.
„Das ärgert uns natürlich doppelt. Wir haben hier ein System aufgebaut oder haben maßgeblich geholfen, ein System aufzubauen, das gut funktioniert und wo wir halt jetzt einfach ein Problem haben, wenn dieses System jetzt zerstört wird.“
„Das ärgert uns natürlich doppelt. Wir haben hier ein System aufgebaut oder haben maßgeblich geholfen, ein System aufzubauen, das gut funktioniert und wo wir halt jetzt einfach ein Problem haben, wenn dieses System jetzt zerstört wird.“
Die (Un)Möglichkeit eines „privaten“ Notarztstützpunktes in Purkersdorf
Die Notarztversorgung in Niederösterreich wird durch die Landesgesundheitsagentur und das Landesbudget, im Grunde also durch die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, finanziert. Gegen die Finanzierung eines eigenen privaten Notarztes mit Kosten von rund einer Million Euro pro Jahr in der Region sprechen gleich zwei Herausforderungen. Erstens wäre dieser Notarzt ausschließlich privatregionaler Natur und nicht in das Rettungssystem 144 eingebunden, was Schwierigkeiten in der Verständigungskette mit sich bringen würde. Zweitens zahlen die Gemeinden mittlerweile sehr viel Geld in Sozial- und Gesundheitstöpfe des Landes ein und die Budgets sind am Limits. Es könne nicht in das Standardgesundheitssystem eingezahlt und zusätzlich ein regionales Gesundheitssystem finanziert werden.
Der Zeitplan und das Problem der Landesgrenzen
Über die Hintergründe des geplanten Umbaus der Notarztversorgung in Niederösterreich können die beiden Bürgermeister nur spekulieren und nennen Kostenreduktion und Effizienzerhöhung als mögliche Ziele. Da die Verträge mit den Rettungsorganisationen noch bis Ende 2026 laufen und nur zum Ende des Jahres gekündigt werden können, gehen sie davon aus, dass es frühestens 2027 oder 2028 zu einer Systemumstellung kommen wird. Das ist für Ing. Stefan Steinbichler und Ing. Michael Cech aktuell der Hauptkritikpunkt: „die unprofessionelle Vorgangsweise über so eine lange Zeit, ohne mit den Betroffenen zu reden, die Leute im Unklaren zu lassen“.
Für die Wiener Umlandgemeinden kommt hinzu, dass Patientinnen und Patienten seit der Vereinheitlichung der Gesundheitskassa nicht mehr in Wiener Krankenhäuser gebracht werden dürfen. Bis dahin war es üblich, dass auch Personen aus Purkersdorf in ein näher gelegenes Krankenhaus wie etwa ins Hanusch-Krankenhaus im 14. Wiener Gemeindebezirk gebracht wurden. Jetzt gibt es eine strikte Teilung zwischen Wien und Niederösterreich. Diese aufzubrechen und z.B. einen gemeinsamen Notarztstützpunkt mit dem 13. und 14. Bezirk auf die Beine zu stellen, erachten die Bürgermeister als effiziente Möglichkeit.
Gemeinde- und parteiübergreifende Zusammenarbeit
Gefragt nach der Einschätzung ihrer Chancen, in den möglicherweise geplanten Prozess der Schließung des Notarztstützpunktes in Purkersdorf einzugreifen und positive Änderungen für die Region zu erreichen, zeigen sich die Bürgermeister zuversichtlich und berufen sich dabei auf vergangene Erfolge. Die Zusammenarbeit verschiedener Bürgermeister aus unterschiedlichen Parteien zeige außerdem, dass in dieser Angelegenheit keine Parteipolitik gemacht wird.
„Da geht es um die Gesundheit, da geht es um Menschenleben und da wollen wir einfach zeigen, dass wir parteiübergreifend an einem Strang ziehen.“
„Da geht es um die Gesundheit, da geht es um Menschenleben und da wollen wir einfach zeigen, dass wir parteiübergreifend an einem Strang ziehen.“

Foto: Gemeinde Gablitz
Bürgerinnen und Bürger können sich über die aktuellsten Entwicklungen bei den jeweiligen Bürgermeistern, über die Gemeindehomepage, Gemeindezeitungen oder Social Media informieren. Überdies werden die regionalen und überregionalen Medien regelmäßig über Neuigkeiten informiert.
Kontakt & Links
Gemeindehomepage Purkersdorf: Geplante Schliessung des Notarzt Stützpunktes
Gemeindehomepage Gablitz:
Gemeinde Gablitz
Gemeindehomepage Mauerbach:
Notarztsystem in Gefahr
Gemeindehomepage Wolfsgraben:
Geplante Schliessung Notarztstützpunkt
Gemeindehomepage Tullnerbach:
Geplante Schliessung Notarztstützpunkt
Podcast
- Die mögliche Schließung des Notarztstützpunktes in Purkersdorf
- Offener Brief an die Niederösterreichische Landesregierung
- Mögliche Neugestaltung der Notarztstützpunkte in Niederösterreich
- Wertvolle Arbeit der Blaulichtorganisationen
- Die (Un)Möglichkeit eines „privaten“ Notarztstützpunktes in Purkersdorf
- Der Zeitplan und das Problem der Landesgrenzen
- Gemeinde- und parteiübergreifende Zusammenarbeit
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